Dokumentationen

Hilfe für den Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Im August 2017 fand ich einige Raupen des Schwalbenschwanzes. Und das auch noch auf einem Kulturbeet, welches mit Sicherheit bald abgeerntet werden würde. Da war guter Rat teuer. Ich setzte mich danach an den Computer und begann zu recherchieren. Dabei stieß ich auf die Seite www.schwalbenschwanz.ch und mir wurde langsam bewusst, was zu tun war. Als mein Mann nach Hause kam, bat ich ihn, einen enstprechenden Kasten aus Holz zu bauen. Eine Unterkunft für Raupen, die zu Puppen und schlussendlich zu Schmetterlingen werden sollten. Es war die letzte Genaration des Jahres, die erst nach der Überwinterung schlüpfen würde. Bevor der Raupenkasten nun abends bezugsfertig war, fotografierte ich meine zwei ersten zukünftigen Bewohner nochmal in ihrer natürlichen Umgebung.

Die Ausstattung bestand aus täglich zu wechselndem Küchenrollenpapier, Haselnusszweigen für die spätere Verpuppung und zwei Gläsern mit sauberem Regenwasser (!) gefüllt. Zum Schutz, dass keine Raupe ertrinkt, wurden auf einem Glas die Stängel des Dills mit Frischhaltefolie umwickelt und in den Deckel des Schraubglases Löcher für die Dill- und Möhrenkrautstängel gebohrt. Ich fand immer mehr Raupen, die bei uns Quartier bezogen und meine tägliche Aufgabe war es nun, sie mit frischem Dill (vorzugsweise mit Dolden obendran) und Möhrenkraut zu versorgen und das Regenwasser in den Gläsern sowie die Papiertücher zu erneuern. Bei den kommenden Fotos dieser Dokumentation handelt sich oft auch "nur" um Handyfotos, da die Versorgung und der vorsichtige Umgang mit den Tieren an erster Stelle standen und nicht die Fotografie. Hier nun Bilder vom regen Leben im Schmetterlingskasten:

Im September begannen sich zuerst die größten Raupen zu verpuppen. Innerhalb etwa drei Wochen folgte eine nach der anderen. Dabei liefen sie circa zwei Tage umher, um die wirklich beste Stelle für sich zu finden. Dort spannen sie dann Seidenfädenhalterungen zuerst am Körperende und dann um den oberen Teil. Somit waren sie fest verankert. Etwa zwei Tage später streiften sie dann ihre alte Raupenhaut ab und zum Vorschein kamen Puppen in den Farben graubraun und grün. Hier die Entwicklung in ein paar Bildern:

Es kam der Tag, an dem sich vierzehn von sechzehn Raupen erfolgreich verpuppt hatten. Der Kasten wurde auf dem Balkon an einem sturmsicheren Platz wetterfest nach Beräumung aller Futterreste und Gläser endgültig positioniert. Luftzufuhr war noch gesichert, aber für Vögel waren die Puppen nicht sichtbar und das Wetter konnte auch nichts Schlimmes anrichten. Wichtig ist die Überwinterung im Freien, sonst würden die Schmetterlinge zur falschen Zeit am falschen Ort schlüpfen und das möchte man ja nicht. Sie sollen so zahlreich wie möglich der Natur im Frühjahr zurück gegeben werden können.

Außerhalb von Frostzeiten sprühte ich die Puppen 1-2 x im Monat mit Regenwasser ein, damit sie nicht austrockneten. Ansonsten hieß es nun warten auf das Frühjahr. Hier noch letzte Eindrücke von unserem Raupen-/Puppenaufgebot:

Obwohl ich oft nach meinen Püppchen schaute, war der Schlupf der beiden ersten Schwalbenschwanzmännchen am 21. April 2018 doch ein großer Überraschungsmoment, der mich erfreute und überrumpelte zugleich. Nummer 1 war so flatterhaft und wollte schnellstens raus, dass es von ihm kein Foto gibt. Völlig ungeübt hatte ich auch große Mühe, ihn aus dem Kasten zu bugsieren. Aber dann gab es kein Halten mehr für ihn. Bei Nummer 2 passierte mir ein Anfängerfehler. Ich schätze sein Trocknungsstadium falsch ein und nahm ihn zu zeitig aus dem Kasten, er konnte noch nicht richtig fliegen. Außerdem entdeckte ich einen Knicks in einem hinteren Flügel. War ihm das beim Schlüpfen passiert oder mir in meiner Ungeschicktheit? Ich weiß es nicht, ärgerte mich aber trotzdem ziemlich über meine Unerfahrenheit. Am Ende durfte ich jedoch ganz schön erleichtert feststellen, dass er zum Glück doch fliegen konnte.

Nun kontrollierte ich sehr oft den Kasten und am 23. April schlüpften die nächsten zwei Schmetterlinge. Da gibt es schon paar mehr Fotos und Nummer 3 kann ich nachträglich als Weibchen einordnen, wobei ich bei Nummer 4 nicht sicher bin. Da habe ich es schlichtweg verpasst, das Geschlecht zu bestimmen und zu notieren. Da es schon früher Abend war, mussten diese beiden noch bis zum kommenden Vormittag bei mir übernachten. Am Vormittag des 24. April waren beide sehr aktiv, wobei Nummer 3 mindestens zweimal einfach auf den Rücken plumpste. Na das konnte ja was werden! Ich nahm beide aus dem Kasten und setzte sie auf die Stiefmütterchenblüten auf unserem Balkon in die Sonne, damit sie Starttemperatur bekamen. Und Rückenplumpserin Nummer 3 flog schneller weg, als ich dachte. Da machte Nummer 4 so gar keine Anstalten. Gutes Zureden und ein kleiner Stupser gaben dann den nötigen Anstoß, um Nummer 3 endlich hinterher zu folgen. Das wäre geschafft!

Nun ging es "Schlag auf Schlag". Am 25. April schlüpfte vormittags ein Männchen, welches ich etwa  zwei Stunden später in den noch blauen Himmel fliegen lassen konnte.

Einen Tag vorher fotografierte ich ihn als Puppe und fragte mich, wie lange der Schlupf wohl auf sich warten lassen würde:


Gegen Abend am 25. April schlüpfte ein weiteres Männchen. Aber das Wetter wurde schlecht und er würde auch nicht mehr rechtzeitig trocknen. Ich musste ihn auf Grund des einsetzenden Regens und der Uhrzeit definitiv mindestens bis zum nächsten Tag zurück halten.

Am Morgen des 26. April regnete es noch. Doch dann verzogen sich die Wolken und die Sonne kam heraus. Das Männchen war auch sehr unruhig im Kasten. Ich dachte ich starte einen Freilassungsversuch. Träge kletterte er auf den Stiefmütterchenblüten herum und interessierte sich auch nicht sonderlich für die angebotene Bioapfelsine. Ein paar Sonnenstrahlen bekam er aber ab. Ich wollte nur etwas aus der Wohnung holen und beschloss eigentlich schon, ihn bis zum nächsten Tag nochmal in den Kasten zurück zu setzen. Als ich den Balkon wieder betrat sah ich, dass er verschwunden war. War er jetzt doch losgeflogen? Hat ihn jemand weggeschnappt? Ich machte mir große Sorgen, was aber natürlich nicht mehr half. Am kommenden Tag war das Wetter wieder besser und ich sah viele andere Schmetterlinge fliegen. Und entdeckte kurz einen Schwalbenschwanz der dann schnell verschwand. Ich hoffte sehr, es war Nummer 6, der sich mit dem Wetter genauso verschätzt hatte wie ich und im Gesträuch vor dem Balkon den nächsten Tag einfach abwartete.

Am 28. April war dann bei schönstem Wetter richtig viel los. Es schlüpften ein Weibchen und zwei Männchen. Das Weibchen war zwar als erste trocken, aber ziemlich träge und unmotiviert. Die Männchen waren aufgeregt und kaum trocken gab es für sie kein Halten mehr.

Das Weibchen nahm sich weiterhin viel Zeit und erschien ziemlich unbeholfen. Das machte mir etwas Sorgen, denn trocken war sie. Ihr Hinterleib sah nur etwas komisch aus. Vielleicht ein Entwicklungsfehler? Ich setzte sie erst auf den Phlox in unserem Garten. Doch es sind immer Katzen unterwegs, also entschloss ich mich, sie auf dem Nachbargrundstück in einem Apfelbaum zwischen die Blüten zu setzen. Ich schaute aller zehn Minuten nach ihr, es ging nichts richtig vorwärts. Nach etwa einer halben Stunde war es aber dann soweit, sie traute sich in die Lüfte. Etwas holprig noch, aber es ging von Baum zu Baum und dann aus meinem Sichtfeld. Ich wünschte ihr viel Glück.

Am 1. Mai schlüpfte wieder ein Weibchen. Auf Grund des Wetters musste ich sie bis zum 2. Mai zurück halten. Langsam bekam ich ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt. Es ist aber auch schwer, wenn das Wetter öfters launig ist und die Vorhersagen nicht so richtig stimmen. Aber am 2. Mai war das Wetter dann wieder schön und Nummer 10 flog von dannen.


Nummer 11 schlüpfte am 3. Mai. Und wieder ein Weibchen. Da es sich gegen Abend ereignete, musste auch sie bis zum kommenden Tag warten. Aber das waren wir ja nun fast schon gewöhnt ;-) Nach einem letzten Foto im Kräuterbeet flog sie in den blauen Himmel davon.

Nummer 12 schlüpfte am 6. Mai. Und es war wieder ein Weibchen :-) Bei schönstem Wetter trocknete sie recht schnell. Auf den Fotos hängt sie an einem noch nicht geschlüpften Püppchen.

Ich nahm sie im Garten aus dem Kasten und sofort flog sie los und machte eine kleine Bruchlandung in Nachbar's Garten zwischen hohen Grasstängeln und war ziemlich verdutzt. Da musste ein zweiter Versuch her.

Ich leistete nochmals Hilfe, indem ich sie da wieder heraus "bastelte", aber dann erhob sie sich endlich in den blauen Himmel. Jetzt wusste sie wie es richtig gemacht wird. Gute Reise meine Kleine!


Während eine Puppe im Raupenkasten leer und nicht zum Schmetterling entwickelt war, hing nun eine letzte Puppe noch an einem Ästchen. Ich hoffte wirklich sehr, dass auch da noch ein Schmetterling draus schlüpfen würde. 13 wäre doch eine tolle Zahl und dann hätten es bis auf eine alle geschafft. Am 8. Mai leuchteten die Flügel so stark gelb durch die Puppenhaut, dass ich mir sicher war, es kommt das Finale. Und so war es auch. Nach ein paar Erledigungen kamen wir am späten Vormittag nach Hause und Nummer 13 - wieder ein Weibchen - war geschlüpft. Bei dem tollen Wetter war sie recht schnell trocken. Etwas wehmütig ging ich mit dem Raupenkasten ein letztes Mal in den Garten. Sie flatterte etwas wild in ihrer Unterkunft herum und es war schwer, sie mit Hilfe der Phloxpflanze da heraus zu bekommen. Nachdem es doch irgendwie gelang, flog sie sofort in den blauen Himmel. Aber sie drehte eine Ehrenrunde über den bei uns angrenzenden Gärten. Als hätte sie es gewusst, dass sie so etwas Nettes für mich noch tun könnte. Und dann war sie nicht mehr zu sehen.

Fazit: ich hätte nicht gedacht, dass mir der Zufall mal so eine anspruchsvolle, spannende und wunderschöne Aufgabe bescheren würde. Manchmal war es wirklich nicht einfach und ohne die schöne und informative Internetseite von Barbara Kümin, welche ich eingangs erwähnte, hätten wohl nicht 13 von 14 Puppen als bildhübsche Schwalbenschwänze ihre Reise ins Leben antreten können.

Ich erlebte viel Freude, hatte aber auch Zweifel und dergleichen zu tragen. Doch bekam ich immer wieder Hilfe und Ermunterung. Dafür und für diese Erfahrung bin ich wirklich sehr dankbar. Es war jedes mal total ergreifend, wenn man eines dieser Wunderwerke der Natur mit einem lachenden und einem weinenden Auge davon fliegen sah. Sie werden maximal 2-3 Wochen leben. Da diese Art leider sehr auf dem Rückzug ist durch schwindende Lebensräume, freue ich mich sehr über meine Schützlinge und wünsche ihnen eine gute Reise :-)

Vielleicht verirrt sich ja doch mal wieder ein Nachkomme von ihnen hierher. Bis jetzt war das aber nur einmalig bei uns in unseren Gärten.